Alter Windjammer wie neu

Letzter Segelfrachter "Peking" kommt nach Hause

(Mit Bildern von Andreas Pawlouschek und Christian Fürst)

Jahrzehntelang rostete sie als Museumsschiff auf dem New Yorker Southstreet Seaport auf dem East River vor sich hin. Die "Peking", einer der größten Segel-Frachter der Welt, drohte an seinem Ankerplatz vor Manhatten endgültig zu vergammeln. Doch die Leidenszeit des einst so imposanten Schiffs, das in seiner nur wenige Jahre umfassenden Einsatzzeit allein 34 mal Kap Horn umfahren hatte, ist jetzt vorbei. Mit beispiellosem Einsatz von Menschen und Material und Millionen-Investitionen wurde das schwer angeschlagene Schiff inzwischen an die Elbe transportiert, wo die Peking nach einer aufwändigen Restaurierung in nicht allzu ferner Zukunft (geplant war 2020) im geplanten Hamburger Hafen-Museum zur großen Touristenattraktion werden soll.

Nach der Ankunft in Brunsbüttel wird die "Peking" zur Peterswerft in Wewelsfleet geschleppt

Von der großen Hamburger Reederei Laeisz 1909 zusammen mit dem berühmten Schwesterschiff "Passat" bestellt, lief die immerhin 115 Meter lange Viermastbark am 25. Februar 1911 bei der Hamburger Werft Blohm & Voss vom Stapel. Von Beginn an war der für damalige Verhältnisse riesige Frachter der „Flying-P Liner“ für den Transport von Salpeter zwischen Chile und Europa vorgesehen. Da das Schiff zu seiner Zeit mit den konkurrierenden Motorschiffen durchaus mithalten konnte, blieb das Schiff ein paar Jahre im Einsatz, bis es durch den Beginn des 1. Weltkries zunächst aus dem Verkehr gezogen wurde. über Irrwege - zunächst nach London und dann nach Italien - kam die Peking dann erst 1923 wieder in den Besitz der Laeisz-Reederei, die es in den Folgejahren bis 1932 als kombinierten Frachter und Schulschiff nutzte. Später ging es dann an ein britisches Unternehmen. 1974 wurde die Viermastbark an eine US-Stiftung versteigertund im Jahr darauf - im Juli 1975 - gelangte der Rumpf der "Peking" am Haken eines holländischen Schleppers über den Atlantik nach New York. Dort wurde sie originalgetreu ausgestellt. Seither lag sie unter ihrem ursprünglichen Namen am Pier des South Street Seaport Museum.

 

Die "Peking" liegt 1991 im Museumshafen am New Yorker East River

Mehr als 40 Jahre lang rostete das für seine Entstehungszeit riesige Segelschiff am New Yorker East River vor sich hin. 2012 erklärte die New Yorker Behörden, keinen Platz mehr für die Viermastbark zu haben. Immerhin waren sie bereit, den Frachtsegler zu verschenken. In der Elbmetropole Hamburg stießen die New Yorker damit auf offene Ohren. Zwei Hamburger Bundestagsabgeordnete konnten die Bundesregierung in Berlin überreden, für den Rücktransport des maroden und inzwischen über 100-jährigen Schiffs und die aufwändige Restaurierung 25 Millionen Euro locker zu machen (die freilich inzwischen nicht mehr langen dürften!). Das Ziel: Die PEKING soll in wenigen Jahren zur Attraktion des bereits bestehenden Hafen-Museums in Sichtweise der riesigen Elbphilharmonie werden.

Doch zunächst musste das kaum mehr schwimmfähige Schiff sicher über den Atlantik gebracht werden. Dazu wurde die Peking in einer höchst anspruchsvollen Aktion Mitte Juli an Bord eines Dockschiffs gezogen und dort festgemacht.

Im Bauch dieses Dockschiffs wurde die Peking innerhalb von rund 2 Wochen über den Atlantik nach Brunsbüttel geschippert

Unter dem wachsamen Auge des Chefs der Hamburger Stiftung Maritim, Joachim Kaiser, brauchte das Dockschiff rund zwei Wochen bis die Peking Huckepack an den Kaimauern von Brunsbüttel festmachen konnte. Am 31. Juli 2017 konnten die Organisatoren der Rettungsaktion schließlich der Presse mitteilen, dass die historische Viermastbark im Elbehafen angekommen sei. Zwei Tage später wurde das Schiff dann erfolgreich ausgedockt und unter den Augen Hunderter Schaulustiger von zwei Schleppern zur Peterswerft im benachbarten Wewelsfleet gezogen.

 

"Rostbeule" Peking wird durchs Sperrwerk geschleppt

Nur zwei Tage später ging es dann zur Werft "um die Ecke". Dazu musste die Peking natürlich erst wieder ins Wasser. Bei der Vorbereitung, dem mehrstündigen "Aufschwimmen", wurde ständig die Dichtigkeit des Traditionsschiffes überprüft. "Nach vielen Jahrzehnten hat der Traditionssegler bei uns im Elbehafen zum ersten Mal wieder heimische Gewässer unter dem Kiel", sagte Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports. Der Rost-zerfressene Frachtsegler war ja nicht in der Lage gewesen, den Tausende Kilometer langen Weg über den Atlantik "auf eigenem Kiel" zu überqueren. Doch selbst der wenige Kilometer lange Weg ins Trockendock bei der Peterswerft wurde zum Wagnis. Wegen seiner ungewöhnlichen Größe konnte der Frachtsegler das Störsperrwerk nur am Mittag bei Hochwasser passieren. Hunderte Windjammer-Fans aus der Region warteten schon, als  die Peking - geführt von einem Bug und einem Heck-Schlepper in Sicht kamen.

Zwei Schlepper zogen das steuerlose Schiff durch das Störsperrwerk zur Peters Werft nach Wewelsfleth. Hunderte Schaulustige standen schon Stunden vor dem seemännischen Großereignis am Elbufer und an der Mündung der Stör, um das schwierige Manöver der beiden Schlepper zu verfolgen. Vor allem für die norddeutschen Medien wurde die Aktion zum Großereignis.

Begleitet von zahlreichen Motor- und Segelbooten wurde die Peking schließlich durch das Sperrwerk gezogen. Dafür musste der Straßenverkehr gestoppt und die Brücke über dem Fluss hochgeklappt werden. Begleitet von einem kleinen Feuerwerk ging es dann direkt ins Dock.

 

Die Arbeiten werden voraussichtlich bis 2020 dauern. Die "Peking" soll dann zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden.

 

Die Werft soll „de Hamborger Veermaster“ in den Zustand von 1927 versetzen. Für die Reparatur müssen unter anderem der untere Teil des Rumpfes abgetrennt und ein neuer Doppelboden eingebaut werden. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis 2020 dauern. Die „Peking“ soll dann zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden. Sie wird dafür voraussichtlich an den 50er Schuppen am Hansahafen gegenüber der Elbphilharmonie festmachen.

Die „Peking“ gehört zu den letzten großen Frachtseglern, die es zu Beginn des 20. Jahrhunderts wegen ihrer Geschwindigkeit und Sicherheit mit Dampf- und Motorschiffen aufnehmen konnten.

 

 

Die Werft soll "de Hamborger Veermaster" in den Zustand von 1927 versetzen. Für die Reparatur müssen unter anderem der untere Teil des Rumpfes abgetrennt und ein neuer Doppelboden eingebaut werden. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis 2020 dauern. Die "Peking" soll dann zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden. Sie wird dafür voraussichtlich an den 50er Schuppen am Hansahafen gegenüber der Elbphilharmonie festmachen.

Die "Peking" gehört zu den letzten großen Frachtseglern, die es zu Beginn des 20. Jahrhunderts wegen ihrer Geschwindigkeit und Sicherheit mit Dampf- und Motorschiffen aufnehmen konnten.

Takelage für die Peking in kraft-zehrender Handarbeit

Schiffsfans können der Arbeit des Takler-Teams auf dem künftigen Glanzstück im Hamburger Hafenmuseum zuschauen.

Hamburg.  Für die Takelage des Museumsschiffs „Peking“ läuft im Hamburger Hafenmuseum die Restaurierung – künftig auch vor Publikum. In den kommenden Wochen gebe es einige Termine, bei denen Schiffsfans dem Takler-Team über die Schulter schauen könnten, teilte die Stiftung Historische Museen Hamburg am Dienstag mit. „Diese traditionellen Taklerarbeiten sind in dieser Dimension aktuell wohl einzigartig in Europa und haben in diesem Umfang das letzte Mal bei der Restaurierung der „Passat“ in Lübeck vor einigen Jahrzehnten stattgefunden“, hieß es.

Die „Peking“ soll das Glanzstück des Deutschen Hafenmuseums in der Hansestadt werden. Die letzte Reise des Viermasters unter der Flagge der Hamburger Traditionsreederei F. Laeisz nach Chile war 1931/1932. Danach wurde die „Peking“ als stationäres Ausbildungsschiff genutzt und lag dann mehr als 40 Jahre lang in New York nahe der Brooklyn Bridge. Im vergangenen Jahr war sie nach Deutschland zurückgekehrt. Derzeit befindet sich der historische Frachtsegler zur grundlegenden Restaurierung in der Peters Werft in Wewelsfleth.

Ein Team kümmert sich um die Überholung der Drahtseile

In Hamburg kümmert sich ein 14-Mann-Team aus Dänemark und Norddeutschland seit Ende Februar um die originalgetreue Überholung der Drahtseile, die für die Sicherung der Masten benötigt werden. Dabei greifen die Takler den Angaben zufolge auf traditionelle Techniken zurück, wie sie heute nur noch selten zum Einsatz kommen. Dazu gehöre etwa das Kleeden, bei dem jedes Ende der zu restaurierenden Drahtseile mit neuem Segeltuch ummantelt und dann mit einem holzteergetränktem Garn umwickelt werde.

 

Ausdocken bei der Peters-Werft

 

Seit 13.30 Uhr ist die "Peking" wieder im Wasser: Nach einer Grundsanierung des Unterwasserschiffs haben zwei Schlepper den Traditionssegler am Freitagmittag aus dem Trockendock der Peters Werft in Wewelsfleth in die Stör gezogen - unter den Augen vieler Schaulustiger. Eine halbe Stunde dauerte es, dann war das 114 Meter lange Schiffe fest an der Pier vertäut.

Nun folgt der Innenausbau

Im vergangenen Jahr wurde der Rumpf in der Werft komplett saniert und neu gestrichen. Nun ist klar: Die Peking ist auch wieder schwimmfähig. Im Außendock folgt in den kommenden Monaten nun der Innenausbau. Außerdem werden die Masten wieder aufgesetzt und die Takelage angebracht. Die Peking wird im Auftrag der Stiftung Hamburg Maritim restauriert.

"Peking" soll Museumsschiff werden

Nach aktuellen Schätzungen wird die Komplettsanierung 35 Millionen Euro kosten. Nach Abschluss der Arbeiten in zwei Jahren soll das Schiff dann wieder aussehen wie im Jahr 1927 - und als Museumsschiff im Hamburger Hafen liegen. 2020 soll die "Peking" von der Peters-Werft in Wewelsfleth an der Stör abgeliefert werden.

 

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Wewelsfleth.  Der Lärm ist infernalisch. Hammerschläge und das Kreischen von Winkelschleifern hallen durch den Rumpf der komplett entkernten „Peking“. Um uns herum ist nur nackter Stahl. Nichts, was den Schall dämpfen könnte. Die Rauchschwaden der Schneidbrenner ziehen gespenstisch durchs Zwielicht. Es riecht nach erhitztem Metall. Die Arbeiter, die zwischen Gerüststangen, Kabeln, Lüftungsschläuchen und Werkzeugkästen herumwuseln, tragen Schutzausrüstungen für Augen und Ohren und dicke Arbeitskleidung. Es ist bitterkalt.

Wir sind im mächtigen Bauch des 115 Meter langen und 14 Meter breiten Frachtseglers – dieser stählernen Legende, die 1911 bei Blohm + Voss gebaut und im vergangenen Jahr als Wrack aus New York geholt wurde. Seit August 2017 wird sie auf der Peters Werft in Wewelsfleth restauriert. Die Außenhaut, vorher durch eindringendes Regenwasser von innen und Salzwasser von außen beschädigt, ist schon fast überall wieder hergestellt.

Fußballgroße Löcher

Die Decks aber gleichen noch Flickenteppichen: Sie waren von einst zwölf auf wenige Millimeter weggerostet und haben durch das Sandstrahlen teils fußballgroße Löcher bekommen. Gehen darf man nur dort, wo bereits neue Stahlplatten aufgebracht wurden.

Sieht die „Peking“ ohne ihre 60 Meter hohen Masten von außen auch wenig eindrucksvoll aus – hier unten ist ihre imposante Größe offenkundig. „4500 Tonnen Ladung hatten im unteren Laderaum und auf dem Zwischendeck Platz – es war meist Salpeter, der von Chile nach Hamburg transportiert wurde“, erläutert Joachim Kaiser. Der 70-Jährige im roten Overall ist mit seiner Stiftung Hamburg Maritim nicht nur Eigentümer der einst so stolzen und nun arg heruntergekommenen

 

Massive Raumstützen

Ganz hinten im Heck bleibt Kaiser stehen und fordert uns auf, uns umzudrehen. Der Blick ist bemerkenswert: auf 85 Metern erstreckt sich der Schiffsbauch vor uns, gegliedert durch drei Flügelschotten, die den enormen Druck der Wanten auf den Rumpf abfangen sollen. Alle paar Meter erheben sich massive Raumstützen. Die Außenwand ist eine spektakuläre Nietkon­struktion aus Stahlplatten an einem Grundgerüst aus rippenartigen Spanten und querlaufenden Stringern. „Ein Traum, wie hier gearbeitet wurde“, schwärmt Kaiser. An den ausgebesserten Stellen, die geschweißt wurden, fehlen die klassischen Nieten. Das ist Absicht: Die Reparaturen sollen als solche erkennbar sein. „Wir wollen die ,Peking‘ so originalgetreu wie möglich restaurieren, aber die Schäden nicht verheimlichen.“

Auch der Schweinestall wird wieder eingebaut

Zum Deck hin werden die Spanten durch Knotenbleche, eine Art Stahlflügel, verstärkt. Sie waren für die Festigkeit der „Peking“ mitverantwortlich. Denn bei einer Segelfläche von mehr als 4000 Quadratmetern entstehen Kräfte, die auch einem Schiff mit 3000 Tonnen Eigengewicht hätten schaden können. 32 Segel konnten an den vier Masten der „Peking“ gehisst werden. Nun liegen Fock-, Groß-, Kreuz- und Besanmast zur Sanierung an Land. Ihr mächtiger Umfang lässt sich aber anhand der großen Mastdurchführungen erahnen, an denen wir jetzt vorbei in den vorderen Teil des Schiffes gehen. Der Boden hier unten besteht aus Beton. „Er diente als Ballast“, erläutert Kaiser. „1000 Tonnen waren nötig, damit das Schiff nicht umkippte.“

Die Engländer, die die „Peking“ 1932 von der Reederei Laeisz gekauft hatten, um sie als stationäres Internatsschiff zu nutzen, kippten weiteren Beton hinein. Der war anfangs Grund zu großer Sorge, weil er allen Presslufthämmern widerstand. Darunter aber kam Schotter zutage, der leicht zu entfernen war – und sogar einige Schätze freigab: die gusseisernen Füße des Kapitänstisches zum Beispiel und eine verbogene Penny-Münze aus dem Jahr 1916. „Die Engländer haben einfach alles reingeschmissen, was sie nicht brauchten“, sagt Kaiser.

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Bevor wir wieder nach oben klettern, führt Kaiser uns noch hinter das mittlere Flügelschott. Dort, etwa in der Mitte des Schiffsrumpfs, soll später ein gläserner Fahrstuhl eingebaut werden. Dass die „Peking“, die einmal im Deutschen Hafenmuseum liegen wird, als „modernes“ Museumsschiff barrierefrei sein muss, ist für Kaiser eine der vielen Herausforderungen außerhalb der eigentlichen Sanierung.

Verrostete Nieten

Und schon allein die ist sehr aufwendig – was unter anderem am Perfektionismus der Beteiligten liegt. „Wir könnten vieles einfacher haben, aber wir sind halt ein bisschen verrückt“, sagt Kaiser und meint damit sich selbst, den Rahsegler-Spezialisten Detlev Löll und Jens Marjanczik, der die Bauaufsicht führt. So wird nicht nur ein Viertel der Stahlkonstruktion erneuert, sondern dabei mit viel Aufwand versucht, den eindrucksvollen Anblick der Nietenkonstruktion so weit wie möglich zu erhalten. So werden zwar die verrosteten Nieten, die das zum Schluss völlig vermoderte Deck gehalten haben und nach dessen Entfernung mehrere Zentimeter aus dem rostigen Stahlboden ragen, von oben abgeflext, bleiben aber erhalten und weiterhin von unten an den Decksbalken sichtbar.

Auf dem Oberdeck zeigt uns Kaiser, wo sich früher Kapitänssalon, Mannschaftsräume, Kombüse und die Schweinehocke (ein kleiner Schweinestall) befanden. „Bis zu 30 Mann Besatzung lebten hier auf engstem Raum zusammen“, sagt er. Auch diese Bereiche würden wieder originalgetreu aufgebaut, jedenfalls teilweise.

Nach einem Abstecher in eine Halle, in der die riesigen Masten aus Stahl ausgebessert werden, und in eine zweite, wo die Rohlinge der in den Niederlanden gefertigten neuen Rahen liegen, ist unser Besuch der „Peking“ zu Ende. Am 5. Mai 2020, so hat es die Werft festgelegt, soll sie wieder in Hamburg festmachen. Die vom Bund zur Verfügung gestellten 26 Millionen Euro werden am Ende nicht ausreichen – das musste Kaiser jüngst dem Mittelgeber melden. Als Lösung werden nun aber andere Bundesmittel umgeschichtet, die für das Hafenmuseum vorgesehen waren. Hamburg bekommt also in eineinhalb Jahren seine dann wieder stolze Viermastbark zurück.