Alsterschwäne zurück

Trotz Cortona -Traditionsreicher Schwanenauftrieb auf der Hamburger Alster

Bilder von Christian Fürst

Sie haben etwas royales an sich, und die Hamburger lieben alles, was irgendwie royal ist, auch wenn sich die "Freie und Hansestadt Hamburg" seit ihrer Gründung erfolgreich gegen jegliche Königsherrschaft gewehrt hat. Und so ist es kein Wunder, dass die Hanseaten ihre Schwäne, diese königlichsten aller Vögel, lieben und verehren. Und wenn sie im Frühjahr aus ihrem Vereisungs-sicheren Winterquartier am kleinen Mühlenteich auf die Alster zurückkehren dürfen, stehen gewöhnlich Hunderte Bürger und Fotografen schon früh auf, um die kurze Reise der weißen Großvögel auf den künstlichen See im Zentrum Hamburgs zu verfolgen. Doch in diesem Jahr war alles anders Dank der mörderischen Welt-Seuche Corona. So gab das "Amt für das Schwanenwesen", den Auftrieb der 120 Tiere nur einen Tag vor dem Ereignis bekannt. Schließlich wollte man zwar den Schwanenauftrieb, aber eben doch keinen Menschen-Auflauf, um ungewollte Ansteckungen zu vermeiden.

Nach über sechs Monaten Winterquarantäne auf dem Weg in die "Freiheit"

Die großen Vögel hatten dieses Mal eine besonders lange Zeit in der Isolation hinter sich. Schon im vergangenen Oktober wurden sie vom amtlichen Schwanenvater Olaf Nies und seinen Helfern eingefangen, um sie vor einem befürchteten Ausbruch der berüchtigten Vogelgrippe zu bewahren. Gewöhnlich ziehen die staatlich geschützten Schwäne zwischen März und November ihre Kreise auf dem von Menschen geschaffenen Binnensee und den Nebenarmen der Alster und ihren Kanälen.

Schwäne haben für das Selbstverständnis der "Freien und Hansestadt" eine ganz besondere Bedeutung. Schließlich war der Besitz dieser großartigen Vögel einst das Privileg der Könige. Wer dagegen verstieß, der konnte mit dem Tod bestraft werden. Die stolzen Hamburger wollten mit der offiziell sanktionierten Schwanen-Haltung nicht zuletzt Unabhängigkeit und Selbstbewusststein als "Freie" Bürger demonstrieren.

Den großen Vögeln, die sich nach ihrer Rückkehr eiligst in die Kanäle und Seitenarme der Alster verziehen, um nach Paarung und Brut die Aufzucht ihrer Jungen zu organisieren, sind solche Gedanken natürlich fremd. Aber sie spüren mit jedem Meter, den sie sich der Alster nähern. die Freiheit. Nicht nur die Jungvögel setzen - offenbar in freudiger Erwartung - spielerisch zu ersten Probeflügen an. Und kaum ist der offene See erreicht, ziehen sie meist paar-weise zu den lauschigen Plätzen, wo sie ein Jahr zuvor in ihren versteckten Schwanennestern brüteten.