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AP Elbjazz - Wie tanzen in den Mai
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| am 27.05.2012 |
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Elbjazz 2012
Zwischen Großartigem und Grenzwertigem

Zara McFarlane
To begin with: "The double bass is missing" verrät Zara McFarlane auf die Frage von NewsAndMore, ob denn pünktlich angefangen werde zur Zeit des "five o'clock tea". Zara McFarlane gehört zu den Newcomern beim Festival, ihre Auftritte wurden mit Spannung erwartet. Also spielt es auch keine Rolle, noch etwas länger zu warten. Irgendwann erscheint dann ein adretter junger Mann von Elbjazz und verbreitet die Botschaft, der Bass sei ein geliehendes Instrument und habe nicht zum rechten Spielort gefunden. Irgendwann habe der Zoll dann die Faxen satt gehabt und sei eingeschritten. Nun müsse man warten, aber in fünf Minuten könne man wohl anfangen. Es dauerte weitere zwanzig Minuten. Groß dann aber die Freude beim Pianisten, als das bereits etwas ältliche Instrument doch noch auftauchte, und mit Applaus begrüßt wurde.

Sehr zur Freude natürlich vor allem des Publikums, dass sich schon reichlich auf der Terrasse des neuen "Blockbräu" ausgebreitet hatte zum Familienausflug. Unten am Eingang bildeten sich Schlangen wie am Vortag, und der Service kam nur stolpernd durch die über den Boden verstreuten Besucher. Elbjazz kann eben auch Volksfest sein mit Bier vom Fass und Brezeln und Nürnberger Bratwürsten und.....

Als es dann los ging, ging es auch richtig los und Zara McFarlane präsentierte Jazzgesang, wie man ihn selten zu hören bekommt. Nichts war schrill, gepresst oder populistisch-poppig. Warm und rund sang die junge Künstlerin, die in der Wartepause genügend Zeit hatte, mit AP zu sprechen. Sie freue sich sehr, bei diesem Festival dabei sein zu dürfen, das sie vielleicht in Deutschland bekannter mache. Ihr Repertoire war bunt gemischt, angefangen mit einigen Klassikern, die an Ella FItzgerald erinnerten, mit der die Britin nicht nur ein wenig die Statur gemein hat, sondern auch die Kunst, beim Scat spielend Gesang ohne Worte, Instrumenten gleich, in Wohlklang zu wandeln. Es war ein Vergnügen ihr zu lauschen. Davon könnte Elbjazz mehr vertragen, ist den Machern aber vielleicht zu postmodern.
Zara McFarlane beim Elbjazz Festival 2012 in Hamburg
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Weit weg vom Hauptgeschehen, man könnte auch schreiben an den Rand gedrängt, gibt es in einem der hintersten Winkel des Hamburger Hafens ein Museum. Hier bemühen sich viele ehrenamtliche Helfer mit geringer finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand, die Geschichte des Lebens und Leidens dieser Lebensader der Hansestadt für die Nachwelt zu erhalten. Ein paar nicht unbedingt seemännsich angebrachte Tampen zeigen auf, wo man sich zu plazieren hat. Vorne, unter ausgedienten Kisten zum Transport von Tee, ist eine kleine Bühne inmitten von Musealem.
Im Vorjahr war hier das zu hören, was der Kritiker als kammermusikalischen Jazz in modernem Gewand bezeichnen würde. Natürlich nicht dazu geeignet, Massen anzuziehen. So gaben denn die Oberinnen des Elbjazz die Bühnen auch frei für das nicht unbedingt geliebte "Jazzbüro" der Stadt. Das allerdings stellte feinen Jazz, sogenannten Fat-Jazz vor. Produkt einer Initiative, die Musiker aus Hamburg und Berlin zusammenführt. Initiator ist Gabriel Coburger - Komponist und Könner gleichermaßen am Saxophon wie an der Querflöte. Und den Berliner auf der Bühne gab der Finne Kalle Kalima ab. Irgendwo soll auch eine der Elbjazz-Initiatorinnen gesehen worden sein - beim Fotografieren.

Jazz at it's very best
Zwei Brüder verbindet seit Jahrzehnten die Kraft der Musik - des Jazz: Joachim und Rolf Kühn. Ihnen sollte ein Sonderfestival gewidmet werden. Sie wurden bewundert und begeistert gefeiert. Ihr Spiel hat Strahlkraft, die über den Moment hinaus wirkt. Es ist ebenso professionell routiniert wie aus dem Augenblick geboren. Den Brüdern scheint weder die Lust an der Musik noch an der Präsentation vor großem Publikum auszugehen. Möge es noch lange so bleiben.

Jochim (Piano) & Rolf (Klarinette) Kühn beim Elbjazzfestival in Hamburg
Vieles hat der Berichterstatter leider nicht sehen und hören können - manches auch nicht hören wollen. Es war ein großartiges Fest. Es zeigt die Grenzen des Wachstums allerdings auch deutlich auf. Nicht nur organisatorisch, sonder vor allem musikalisch-künstlerisch. Wer es allen recht machen will, wird langfristig scheitern. Zwischen der Kunst der Brüder Kühn und den Fertigkeiten der zahlreichen Plattenaufleger, sprich Diskjockeys, klaffen Welten, die weiter sind als die Elbe an ihrer breitesten Stelle. Und sie überbrückt weniger die Liebe zum Jazz, als viel mehr der erkennbare und spürbare Drang nach Erfolg und nachhaltigem Kommerz.
Text und sämtliche Bilder copyright Andreas Pawlouschek, nmms 2012
Mehr zum Festival unter: http://www.elbjazz.de/
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