Der Bauch von Hamburg

Der "Bauch von Hamburg" wird geehrt

Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland

 

Wer von Süden kommend erstmals über die Elbbrücken in die große Hansestadt Hamburg einfährt, der wird auf vielfältige Weise optisch beeindruckt. Da ist zunächst die Silouhette der Stadt an Elbe und Alster, geprägt zunehmend nicht mehr von den Kirchtürmen der Stadt, sondern von Verladekränen und Hochhäusern - dem Oberbaudirektor sei es gedankt. Dann geht es über die Süderelbe auf einer Brücke, die in mehrfachen eisernen Bögen den großen Fluss überspannt. Leicht und luftig wirkt sie, trotz ihrer enormen Ausmaße. Bevor der Reisende kurz danach in den unmittelbaren Bereich der Innenstadt kommt, der City oder sprachlich albern Centrum genannt, der erhascht auf der linken Seite möglicherweise noch einen Blick von einem mächtigen Bauwerk aus geschwungenen Betonteilen zwischen denen Glasfronten die Unbillen des Hamburger Wetters vom Inneren fernhält, das sie gleichzeitig erhellt. Es sind die Großmarkthallen. Sie wurden in diesen Tagen ausgezeichnet von der Bundesingenieurskammer als historisches Wahrzeichen der Ingenieursbaukunst in Deutschland.

  

Erstaunlich scheint, dass in dieser architektonisch und auch sonst so reichen Hansestadt bislang erst ein Bauwerk diese Auszeichnung verliehen bekam - der alte Elbtunnel, ein Meisterwerk unter der Elbe, das den Hafen im Süden mit der Innenstadt verbindet, und das seit Jahren mit einem Aufwand von mehr als einhundert Millionen Euro restauriert wird. Dieses mal ist es dem Bund gedankt.

Vier Jahre lang, von 1958 bis 1962 wurde unter Leitung des Architekten Bernhard Hermkes gebaut, bis die Markthallen am Hafen fertig waren. Die wiederaufstrebende Stadt, deren Wirtschaft sich nach dem Krieg erstaunlich schnell erholte sowie der Zustrom von Menschen vor allem aus dem Osten hatten den Bau einer großen Markthalle dringend erforderlich erscheinen lassen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse und Obst sicherzustellen. Fünfundfünzig Jahre nach ihrer Inbetriebnahme würdigte Hamburgs Senator für Kultur und Medien, Carsten Brosda, das Bauwerk so: „Die markante Welle der Großmarkthalle ist zu einem festen und geliebten Bestandteil des Hamburger Stadtbildes geworden. Sie ist bestes Beispiel dafür, wie Architekten und Ingenieure Hand in Hand herausragende Baukultur schaffen können. Die Auszeichnung als historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ist uns zusätzliche Verpflichtung, dieses einzigartige Denkmal als lebendigen Ort zu erhalten.“ 

         

 

Wie lebendig es in der Großmarkthalle zugeht, verschließt sich dem "normalen" Bürger zumeist, denn Obst- und Gemüsehändler können bei ihrer Arbeit kein Publikum gebrauchen. Wie quirrlig es aber zugehen kann, wenn hier nicht gearbeitet, sondern genossen, gestaunt, flaniert und parliert wird, zeigt sich jedes Jahr Anfang September beim "Food Market", einem Magnet für alle, die gutes Essen aus natürlichen Zutaten und möglichst regionaler Provenienz schätzen und lieben. Zwei Tage lang geht es dann hier zu nicht wie auf einem Groß- sondern wie auf einem Jahrmarkt - dem "Bauch von Hamburg"...

  

Mehr zur Großmarkthalle und dem "Food Market" finden Sie hier.

Text und Bilder copyright Andreas Pawlouschek für NewsAndMore-Mediaservice 2017