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Kevin Fehlings neue Ufer

Auf zu neuen Ufern - von der Trave an die Elbe

 

  Kevin Fehling

Er kocht auf allerhöchstem Niveau dort, wo die Trave in die Ostsee mündet und das Seebad entsprechend auch Travemünde heißt. Kevin Fehling, noch keine vierzig Jahre jung gehört zur kleinen Riege der deutschen Köche, die in der Gourmetbibel Michelin mit drei Sternen gekürt sind. In knapp zehn Jahren hatte sich Fehling zielstrebig einen nach dem anderen Stern erkocht und eigentlich könnte es so weitergehen - meint der unbedarfte Bewunderer seiner Kochkunst, als den sich AP gerne outet. Nun steht fest, Fehling und sein kongenialer Restaurantleiter und Sommelier, David Eitel, verlassen das gastliche Columbia Hotel an der Kaiserallee, und ziehen an die Elbe. Und fast die gesamte Küchenbrigade und viele Servicemitarbeiter werden wohl mitgehen. Folgte das "La Belle Epoque" noch dem klassischen Muster, Toprestaurant zieht unter die Hoteldecke, so soll für Fehling und Team in Hamburg alles anders werden: ohne Sponsoren soll der Sprung ins kalte unternehmerische Wasser gelingen. "Ein neues Konzept", so David Eitel gegenüber NewsAndMore,  soll "mehr Offenheit und Lockerheit" bringen. Das liegt im Trend, denn viele Sterne-Restaurants gelten als zu förmlich, zu steif, als dass sie auch für eine jüngere Klientel attraktiv wären. Es mag sein, dass die Motivation für Kevin Fehling, den früheren "Schiffskoch" auch in dem nachvollziehbaren Drang begründet liegt, Neues machen zu wollen und das Neue auch Anders. Wer in diesem Alter alles erreicht zu haben scheint, was erreichbar ist im Bereich Gourmandise, und wer wie Fehling voller Kreativität und Tatendrang ist, der kann sehr wohl auf die Idee kommen, an der Travemünde ausgereizt zu haben was es auszureizen gibt. 

        

"La Belle Epoque" Beispiele aus der Sektion "Appetizer"

An Alster und Elbe haben es immerhin bereits drei Küchenchefs zu zwei Michelin-Sternen gebracht: Christoph Rüffer im "Haerlin" an der Außenalster, Karlheinz Hauser vom "Seven Seas" hoch über der Elbe auf dem Süllberg bei Blankenese sowie Thomas Martin in "Jacobs Restaurant" gegenüber der Airbus Werft. Sie alle kochen ganz exzellent und streben, wenn auch nicht so recht offiziell, nach dem dritten Stern, den die einschlägige Presse gerne herbeischreibt. Und nun kommt einer, der ihn schon hat, aber nicht notabene auch mitnehmen kann in sein neues Domizil. Auszeichnungen sind beim Michelin nicht nur mit der Küche verbunden sondern auch mit anderen wichtigen Faktoren wie Weinkeller, Service und Ambiente. Dass Fehling alle Voraussetzungen schaffen wird, damit dies auch in Hamburg gelingt, daran hat AP keine Zweifel. Ob allerdings der Blick aus den Fenstern des neuen Restaurants so schön sein wird, wie  aus dem "La Belle Epoque", mag bezweifelt werden. Und so wird AP immer auch ein wenig wehmütig an die Fahrten nach Travemünde zurückdenken. Nachzutragen sei an dieser Stelle: das Neue hat noch keinen Namen. Tipps werden angenommen. "Fehling" ist zwar einfach, aber auch schon verwettet.


Einen Bericht über Kevin Fehling und das "Belle Epoque" finden Sie hier.

Text und Bilder copyright Andreas Pawlouschek, nmms 2015