Elbphilharmonie-Countdown

 Countdown für die Elbphilharmonie

Noch zwölf Monate bis zur Eröffnung

 

Jahrelang machten zwei Großbaustellen in der Republik negative Schlagzeilen. Zum Einen, weil sie hunderte von Millionen, ja Milliarden Euro aus dem Steueraufkommen aufsaugten, wie Kamele Wasser am Trog. Und zum Zweiten, weil ihre Fertigstellung sich Jahr um Jahr verschob. Über das eine Milliardengrab, den Großflughafen irgendwo in der Nähe der Hauptstadt Berlin, wird kaum noch berichtet, zu trostlos scheint die Kumulation der Peinlichkeiten. Die andere Großbaustelle, die Elbphilharmonie der Freien und Hansestadt Hamburg, sieht von außen schon recht fertig aus und auch im Inneren scheint es flott voranzugehen. Grund genug für die Bauherrin, Hamburgs Kultursenatorin, Barbara Kisseler, genau ein Jahr vor der geplanten Eröffnungsfeier am 11ten und 12ten Januar 2017, der Presse strahlend die Pläne für den Spielbetrieb des künftigen Wahrzeichens der Stadt vorzustellen. So jedenfalls hieß es in der Einladung zur Landespresekonferenz. Mit Spielbetrieb, so stellte sich dann heraus, war eher das ablauftechnische und finanzielle Gerüst für den Betrieb und die Eröffnung gemeint, als ein künstlerischer Ausblick.

 

Prof. Barbara Kisseler, Kultursenatorin Hamburg (parteilos)

"Sie müssen sich die Kultursenatorin als einen glücklichen Menschen vorstellen"... bekannte Barbara Kisseler, die mehrheitlich glücklich agierende Kultursenatorin, zur Eröffnung der Pressekonferenz im Hamburger Rathaus in einem Atemzug mit dem Bekenntnis, dass die Elbphilharmonie eine große Chance sei, Hamburg auf eine ganz andere Ebene der Wahrnehmung zu heben. Voller Glauben an die Zukunft des jahrelang höchst ungeliebten und umstrittenen Projekts meinte die Senatorin, die Elbphilharmonie werde nicht nur eines der besten Konzerthäuser der Welt, sondern auch ein lebendiger Ort der musikalischen Begegnung und ein für alle offenes Haus. Damit ist nicht das bereits seit langem fertiggestellte Fünf-Sterne-Hotel im selben Gebäude gemeint, sondern vor allem die sogenannte Plaza, ein Platz in 37 Meter Höhe mit einer einzigartigen Aussicht auf die Stadt und den Hafen. Zwei Jahre lang wird der Eintritt kostenlos sein. Für Reservierungen per Internet zum Beispiel, werden zwei Euro fällig. Wie es nach den zwei Jahren aussieht, ist noch ungewiss.

      

      

Ein seltener Gast war mit der Senatorin vor der Landespressekonferenz erschienen, Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant und in den vergangenen Jahren der endlos erscheinenden Verschiebungen und Skandale of bemitleidet, weil unverschuldet in die Rolle des Kapitäns ohne Schiff gedrängt.

 "Ein großartiges Erlebnis....

so der Generalintendant, der Österreicher Christoph Lieben-Seutter, werde der Konzertbesuch der Elbphiharmonie. Er plant zwischen Januar und Juli 2017 mehr als 200 Konzerte im Großen Saal und 100 Konzerte im Kleinen Saal. Nachgefragt, ob denn nur geladene und zahlende Gäste bei der Eröffnung dabei sein werden, verriet der Intendant, dass etwa eintausend der insgesamt viertausend Karten verlost würden. Dies sei wegen der erwartbar großen Nachfrage wohl die gerechteste Lösung. Und im Übrigen, so Lieben-Seutter,  habe schließlich der Steuerzahler die Elbphilharmonie finanziert. Eine selten geäußerte Einsicht....

 Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant

Die Programmplanung, zu der sich Lieben-Seutter inhaltlich wohl erst konkret im April äußern will, wird der Generalintendanz wesentlich dadurch erleichtert, dass der Senat für den Spielbetrieb der ersten vier Jahre fünf Millionen Euro bereitstellen wird. Dass künftig vermehrt internationale Spitzenorchester und Stars der Musikwelt den Weg an die Elbe finden werden, kann bei der Zugkraft des Glaspalastes auf Backsteinsockel als sicher angenommen werden. Vorrangig werden jedoch die Säulen der Hamburger Musikszene die Elbphilharmoie bespielen: Das Residenzorchester des Norddeutschen Rundfunks, das Philharmonische Staatsorchester und das Ensemble Resonanz, das mit 130-tausen Euro mehr Fördermitteln rechnen kann als bisher. Positives wußte Lieben-Seutter über die Preisgestaltung der bis Anfang Juli verfügbaren 450.000 (vierhundertundfünfzigtausend) Eintrittskarten zu sagen. Es werde keine Preisexplosion geben. Die Ticketpreise sollten sich danach im Regelbetrieb nicht wesentlich von denen der Musikhalle unterscheiden - Orchester von Spitzenrang oder Weltstars kosten entsprechend mehr..

       

Überhaupt scheint man den Ausgabenrausch der vergangenen Jahre nicht völlig ausgeschlafen zu haben. Aus dem Füllhorn des Stadtstaates kann etwa das privat organisierte Elbjazz Festival für 2017 gleich mit einer Verdoppelung des Zuschusses auf 200-tausend Euro rechnen. Vielleicht als Trostpfalster dafür, dass es dieses Jahr kein Festival gibt.  Und  mit zehn Millionen Euro  soll die Eröffnung der Elbphilharmonie genutzt werden, um bis Sommer 2017 auch international für die Stadt zu werben. Hamburg Marketing sozusagen als Trittbrettfahrer. Immerhin gilt es, die Wahrnehmung Hamburgs in der Welt zu stärken.

 

Texte und Bilder copyright Andreas Pawlouschek, nmms Januar 2016