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Wenn harte Männer (und Frauen) weich werden
- Motorrad-Gottesdienst am Michel -

35 000 Motorradfahrer holten sich "Gottes Segen" vor dem Hamburger Michel - zum 30. Mal
Wenn sie so auf ihren Böcken sitzen, sind sie oft von den Mitgliedern gewalttätiger Rockerbanden kaum zu unterscheiden. Doch einmal im Jahr werden zehntausende Motorradfahrer aus ganz Deutschland weich. Dann treffen sie sich - jeweils an einem Sonntag im Juni - vor dem Hamburger noch-Wahrzeichen "Michel" zu einem mittäglichen Gottesdienst. Doch sie suchen natürlich nicht nur die Nähe zu Gott und Segen für ungestraftes Rasen: Sie suchen auch die Nähe zu Gleichgesinnten. 35 000, so hieß es, trafen sich am vergangenen Sonntag (9. Juni). Ein friedliches Vergnügen, das freilich nicht wenige Hamburger nervt. Denn für ihre knatternden und oft stinkenden Maschinen muss stundenlang der Verkehr umgeleitet werden, und - nicht nur gläubige Hamburger schlagen drei Kreuze, wenn die Zweiradinvasion am Nachmittag ein Ende hat.

"wo hab ich nur meine verdammte Kiste abgestellt" - könnte dieser Motorradfahrer kurz vor dem Motorrad-Gottesdienst gedacht haben
Christian Fürst war für News&More dabei. Sein Feature finden Sie hier
"Soviel Du brauchst?" - 110 000 kamen - Kirchen in der Krise

Wenige Tausend meist jugendliche Protestanten kamen zur kleinsten der vier Eröffnungsfeiern am Hamburger Fischmarkt.
Eigentlich war die Stimmung bestens. Das Wetter meinte es gut mit den 110 00 protestantischen Gästen, die nach Hamburg gekommen waren, um mit ähnlich Denkenden über "ihre" Kirche zu sprechen und gemeinsam zu feiern. Überwiegend waren es Jugendliche und junge Leute, die sich bei strahlendem Frühlings-Sonnenschein zu ihrem Glauben bekennen, Anregungen mitnehmen und über die sich zuspitzende Krise ihrer Kirchen sprechen wollten. Der 34. evangelische Kirchentag wurde zu einem Fest der Gewaltlosigkeit, und Hamburg durfte die fröhliche Gesellschaft der Jugend genießen. Widerstand gegen die Versammlung gab es praktisch nicht. Christian Fürst, der die Eröffnung am Hamburger Fischmarkt verfolgte, entdeckte das folgende, einsame Graffiti. Hamburg ist seit Jahrhunderten protestantisch. Ein "Heimspiel" also für den Kirchentag, der am Sonntag zuende ging.

"Gewaltloser Widerstand" gegen den Kirchentag, könnte man meinen. Aber dabei blieb es auch
Christian Fürst berichtet hier in Wort und Bild
Der Winter hat den März fest im Griff...
Fähranleger Museumshafen in Hamburg-Neumühlen. Fotografiert von AP
Jahr für Jahr gilt das Bedauern vieler Hamburger jenen Kindern, deren Eltern nicht über das nötige Kleingeld verfügen, um die Schulferien in den Alpen beim Wintersport zu verbringen, und die bei meist schmuddeligem Wetter nicht wissen, was sie wo mit ihrer Freizeit anfangen sollen. Dieses Jahr mag es vielleicht genau umgekehrt sein, denn seit Tagen schneit es in Norddeutschland - und das kräftig. Und was liegen bleibt ist hundertprozentiger Naturschnee - nichts aus der Kanone. Und damit soll es noch nicht genug der Wetterkapriolen sein: Auch die Temperaturen werden in den kommenden Tagen mit 10 Grad minus und darunter weit von frühlingshaft entfernt bleiben. Meteorologen, die gerne und oft chronologische Superlative aus ihren Archiven holen, meinen sogar, eine Kaltfront wie sie jetzt mit der Rückkehr des Winters kurz vor Ostern verbunden sei, gebe es höchsten alle zwanzig Jahre. Schnee im März hingegen sei nicht gar so selten. Ob das jene Menschen beruhigen mag, die in Mecklenburg-Vorpommern gegen meterhohe Schneeverwehungen ankämpfen müssen, sei allerdings bezweifelt. Doch während die Einen hinter dem Steuer fluchen, weil sie im Stau stecken, juchzen die Anderen, die jedes noch so kleine Gefälle nutzen, um auf Schlitten oder Plastiktüten die Hanstestadt Hamburg kurzzeitig in einen Wintersportort zu verwandeln.

Spaziergänger im Stadtpark der Hansestadt Hamburg. Beobachtet von CF
Schnee verwandelt die Umwelt nicht nur optisch, macht Landschaften, auch städtische, milder und farbenärmer dafür aber kontrastreicher. Der Lärm der Großstadt scheint gedämpfter - Zeit zur Muße bei besinnlichen Wanderungen oder Spaziergängen. Danach Einkehr halten in einer gemütlichen Wirtsstube oder einem Café - warum in die Alpen schweifen? Sieh der Winter ist so nah...
Christian Fürst und Andreas Pawlouschek werden die Menschen in ihrer winterlichen Stadt auch in den kommenden Tagen fotografisch für NewsAndMore-Mediaservice begleiten.
AP in seiner Wochenchronik: "Im Märzen der Winter Hof hält..."
CF in seinem Feature "Wintergewalt überwältigt Frühlingstriebe"
copyright NewsAndMore-Mediaservice 2013
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Kultur-Mausoleum "Elbphilharmonie": Millionengrab weiter gebaut

Hamburgs Erster Bürgermeister steht vor einer der teuersten Bauruinen der Welt. Seine Geste könnte man deuten als "Haltet den Dieb"! (Archivfoto CF)
Was könnte man mit einer halben Milliarde Euro in Hamburg nicht alles machen? Mit Sicherheit ließen sich für so viel Geld sämtliche noch fehlenden Kita-Plätze und zahllose andere soziale Einrichtungen in der Hansestadt bauen. Doch in Hamburg baut man dafür eine überdimensionale Konzerthalle. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat am Samstag entschieden: Nach einer - wie er sagt - schlaflosen Nacht und anschließenden Beratungen mit dem Hamburger Senat (Kabinett) gab der SPD-Politiker am Mittag bekannt, dass die umstrittene Elbphilharmonie in den kommenden 4 Jahren vom Baukonzern Hoch-Tief fertig gestellt werden soll: Insgesamt 575 Milionen wird das Gebäude dann gekostet haben - vorausgesetzt, alles geht glatt. Das wären noch einmal knapp 200 Millionen mehr, als die Stadt und damit der Steuerzahler bisher in dieses Prestigeprojekt der Hamburger Kultur-Eliten am Elbhafen gesteckt hat. Scholz sagte zu seiner Entscheidung, es sei eine "schwierige Abwägungsfrage" gewesen, ob das Vertrauen zu dem Baukonzern nach den jahrelangen Auseinandersetzungen ausreiche. "Ich habe mir die ganze Nacht das Hirn zermartert, ob wir das tun sollen." Er sei aber überzeugt, das Richtige getan zu haben: "Wenn Hochtief nicht noch nachgelegt hätte, dann hätten wir am Dienstag der vergangenen Woche gekündigt", sagte Scholz.
Ursprünglich sollte der verspiegelte Riesenbau, in dem auch Luxuswohnungen und ein Edelhotel entstehen sollen, in der Planung 77 Millionen kosten. Der eigentlich Verantwortliche für das von Kritikern als gigantomanisch bezeichnete Projekt, ist der vor über zwei Jahren zurückgetretene CDU-Bürgermeister Ole von Beust. Er hatte vor ein paar Monaten vor einem Untersuchungsausschuss jede Verantwortung für das finanzielle Disaster abgelehnt.

Zankapfel zwischen Stadt und Hoch-Tief: Das komplizierte Dach. Laut Hoch-Tief ist es viel zu schwer für den Bau. Inzwischen wurde es abgesenkt
Der Bau einer attraktiven Konzerthalle ist für Hamburg alles andere als Luxus. Die zweitgrößte Stadt Deutschlands ist akustisch noch immer Entwicklungsgebiet. Wegen der akuten Raumnot kommen kaum Orchester von Weltruf hierher. Doch die ursprünglich genannten 77 Millionen für die Elbphilharmonie galten bei Experten von Beginn an als Illusion, und fast alle Beteiligten legten ein bedenkliches Maß von Inkompetenz an den Tag.
Mehr Text und Bilder zum Thema finden Sie auf CFs Seite hier
Alle Bilder und Text copyright Christian Fürst, 2012
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Manchmal richtig böse: Dominique Horwitz' neues Programm
"The right bullets" im Deutschen Schauspielhaus (und später auch in Berlin)

Lieder, Chansons, Songs von Carl Maria von Weber bis Tom Waits singt Dominique Horwitz in seinem neuen Programm in Hamburg und Berlin
Wenn Dominique Horwitz Carl Maria von Webers "Wir wihenden Dir den Juhungfehernkranz" singt, dann darf man getrost Böses erwarten. In seinem neuen Programm "The Right Bullets", das der gebürtige Pariser am Sonntag (25. November) auf der improvisierten Bühne des Deutschen Schaupielhauses erstmals mit einer siebenköpfigen Band vorstellte, verschießt der singende Mime am laufenden Band böse "Freikugeln" zu bekannten und weniger bekannten Titeln von Weber bis Waits, verziert seinen prägnanten Kopf mit schrecklichen Perücken und stolziert flüssig mit hohen Absätzen durch übel riechenden, weißen Nebel über die Bühnenbretter.
Horwitz, der neben TV und Spielfilm-Auftritten nach wie vor große Rollen an der Hamburger Renommierbühne spielt, wird bei dem Programm von einer Gruppe ausgezeichneter Musiker (Horwitz and Friends) begleitet. Im Januar wird das Programm dann auch in Berlin im TIPI am Kanzleramt zu sehen und hören sein.
Christian Fürst hat für nmms die Fotoprobe vor der Premiere besucht. Seine Eindrücke und Bilder von der Probe und Fotos von Horwitz in seiner jüngsten Rolle am Schauspielhaus finden Sie hier:
Text und Bilder copyright Christian Fürst, 2012
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Neuer Operndirektor: Nagano soll es richten

copyright: Felix Broede
Er will Hamburgs Staatsoperorchester zum "besten der Welt" machen: Ab 2015 wird der US-amerikanische Dirigent Kent Nagano (51) die musikalische Leitung der Hamburger Musikbühne übernehmen, deren Reputation in den vergangenen Jahren im internationalen Maßstab etwas gelitten hat. Nagano, dessen Eltern aus Japan in die USA ausgewandert waren, tritt die Nachfolge der Australierin Simone Young an, die Hamburg 2015 verlässt. Im Gegensatz zu Young wird sich Nagano ausschließlich um musikalische Belange der Oper kümmern müssen. Neuer Intendant der Staatsoper wird der gebürtige Schweizer Georges Delnon (44).

copyright : Nina Urban
Beide sollen Hamburg mittelfristig wieder zu dem musikalischen Ruhm verhelfen, den die Bühne in den 1960er und 1970er Jahren hatte.
Ausführliches zum Wechsel der Stabführung in Hamburg finden Sie bei Christian Fürst hier
Ein Hauch von Rio
- "STAMP 2012" in Hamburg Altona -

Ein Hauch von Karneval durchzog am Sonntag (2ter September 2012) Strassen und Plätze in Hamburg Altona. STAMP 2012 ging mit einem farbenfrohen, fröhlichen und nicht minder lauten Umzug quer durch den Stadtteil zu Ende. Und wie es gutgelaunte und zum Teil nur sehr spärlich bekleidete Künstlerinnen und andere Selbstdarsteller und ihr Puiblikum verdienen, meinte der Wettergott es gut, richtig gut. Die Sonne schien auf das Spektakel und durch manches Kostüm, dass auch der Fotograf es zufrieden war.
Bei manchem Paukenschlag oder Trommelwirbel konnte man durchaus meinen, STAMP komme von "stampfen", dabei steht es für STreetArtsMeltingPot

Und was da zusammengeschmolzen wurde an drei Tagen und zwei Nächten ließ sich sehen und hören: von Steelbands mit teils infernalischer Geräuschentwicklung bis zum nachdenklich stimmenden Strassenkabarettisten war so ziemlich alles dabei, was sich auf Plätzen, in Häusernischen oder Strassenschluchten spielen läßt. Begonnen hatte es am Freitag.
Mehr dazu in der Chronik der Woche 35 von Andreas Pawlouschek
Text und Bilder copyright Andreas Pawlouschek, nmms 2012
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Düstere und glanzvolle Vergangenheit - Berlin kurz besucht
von Christian Fürst, nmms

"Überraschend hübsch" nannte ihn die "TAZ" bei der Eröffnung 2005. Der Stelenpark, das Holocaust-Mahnmal im Zentrum Berlins
Er sollte ein Pfahl im Fleische der Deutschen und dies mitten in ihrer neuen Hauptstadt sein. Der in seiner Entstehungsgeschichte jahrelang heiß und kontrovers diskutierte Stelenpark im Zentrum Berlins ist heute das vielleicht meist-fotografierte Denkmal der Hauptstadt und kaum einer der aber-millionen Touristen wird es verpasst haben. Doch seinen eigentlichen Sinn hat das Kunstwerk Peter Eisenmanns mit seinen 2711 Stelen auf 19 000 Quadratmeter eher nicht erfüllt. Auf die meisten Besucher wirkt es gefällig bis schön. Kinder benutzen es als Spielplatz und Irrgarten. Ängste weckt es offenbar nur, wenn man sich in einem der vielen Gänge zu verlaufen droht. Doch die Urlauber, die hierher kommen, um das an einen jüdischen Friedhof erinnernde Mahnmal zu besuchen, sind sehr wohl über den Sinn des Bauwerks informiert.Der von manchen Besuchern berichtete Missbrauch der Gedenkstätte (pinkelnde, oder Skateboard-fahrende, oder fröhlich picknickende Touris) sind die Ausnahme eher, als die Regel.
Eine Bilderstrecke zum Stelenpark, wie ich ihn mit der Kamera gesehen habe, folgt in Kürze
CF

Die "Leichtigkeit" des Steins
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